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Wunsch und Wirklichkeit

Verantwortlicher Autor: Riesenberg Berlin, 02.03.2023, 14:27 Uhr
Presse-Ressort von: Dieter Kurt Bericht 10109x gelesen
Friedensdemo vom 25. Februar am Brandenburger Tor
Friedensdemo vom 25. Februar am Brandenburger Tor   Bild: Riesenberg

Berlin [ENA] Es war ein ungemütlicher Samstag in Berlin, zumindest, wenn man die Wetterbedingungen zu Grunde legt. Dennoch hielt es viele Tausende Menschen nicht davon ab, dem Aufruf zur Teilnahme an einer Kundgebung zu folgen, deren Thema die Bewahrung des Friedens war.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel hier veröffentliche. Ich weise auch darauf hin, dass ich in diesem Bericht das "generische Maskulinum" verwende. Dennoch werden alle Erscheinungsformen der Geschlechter hoch geschätzt und ich weise Diskriminierungsvorwürfe jeglicher Art im Vorfeld zurück. Somit kann jede und jeder jetzt selbst entscheiden, ob er diesen Artikel liest oder auch nicht. (Da Fotos m. E. bisher noch genderfrei sind, könnten diese jedoch uneingeschränkt betrachtet werden.) Soviel als "Vorwort" und das Bekenntnis, dass ich mich als "alter weißer Mann" nicht nur gegen willkürliche Veränderungen meiner Muttersprache, sondern auch gegen Behauptungen wende, die Tatsachen und Fakten "verschleiern" sollen.

Wenn man den in unseren öffentlich-rechtlichen Medien verbreiteten Statistiken glauben darf, steht die öffentliche Meinung - was die Haltung zur Unterstützung der Ukraine mit Waffenlieferungen betrifft - sich so etwa "fifty-fifty" gegenüber. Sicherheitshalber wird in den öffentlichen Diskussionen immer ein leichter Vorsprung der "Befürworter" betont. Das erleichtert die Diskussion über die Tatsache, dass der Export von Waffen ohnehin in steigendem Maße stattfindet, erheblich. Evidenzbasierte Statistiken wird man ohnehin nur schwerlich finden, zumal sich die Einstellung - je nach Umfang und Qualität der Propaganda - in kurzen Zeitabschnitten ändern kann.

Dass man sich von der Prämisse: "Keine Lieferungen von Waffen in Krisengebiete ..." verabschiedet hat, ist nicht neu. "Rote Linien" verblassen oder werden vorsichtshalber gar nicht mehr gezogen, d.h. bei welchem Waffensystem die Grenze erreicht ist, wird nicht definiert. So antwortete unsere agile Außenministerin auf die Frage, ob denn auch Kampfjets zukünftig in Betracht gezogen würden, nicht einfach mit "Ja" oder "Nein", sondern betonte, "dass sich diese Frage zur Zeit nicht stelle". Das Verteidigungsministerium hatte ja kürzlich die Führungsspitze ausgewechselt (die Antwort von Frau Lambrecht - bis 19. Januar 2023 noch Ministerin in diesem Amt, hätte mich interessiert) und einen Mann (meine Information) dort positioniert.

Und siehe da:nicht einmal eine Woche später wurde Minister Pistorius in Umfragen zum beliebtesten Politiker gekürt, während der Bundeskanzler nur auf Platz Neun landete. Nebenbei sank die SPD auf ca. 20% Wahlakzeptanz. Man könnte daraus fälschlicher Weise schließen, dass man den neuen Verteidigungsminister mit der SPD nicht direkt in Verbindung bringt. So sind eben Umfragen, eigentlich sollten sie Fakten widerspiegeln - aber welche Ausgangsbasis, Zielgruppe oder Interessenvertretungen herangezogen werden, ist zum Teil nebulös. Bei unserem aktuellen Verteidigungsminister ist die Freude an seiner neuen Aufgabe - wie er selbst in einem Interview betonte - die Grundlage für den Erfolg. Das Ergebnis kann erst die Zukunft zeigen.

Erstaunlich ist aber die öffentliche Wahrnehmung. Ich habe es mir wahrlich nicht leicht gemacht. Um ein objektives Bild zu erhalten, habe ich mich auf den Weg zum Brandenburger Tor gemacht. Entgegen meiner Erstinformation war der Demonstrationsort nicht der Pariser Platz sondern der Platz des 18. März. Mit diesem Irrtum war ich nicht allein; hunderte Menschen wurden aufgefordert, nicht geradlinig durch das Brandenburger Tor, sondern eine Umleitung über die Seitenstraßen zu nehmen. Wenig später wurden die Teilnehmer aus "Überfüllungsgründen" aufgefordert, den Weg durch den Tiergarten zu nehmen. Leider findet man wenig Luftaufnahmen, sodaß allein die Erfahrung eine Schätzung der Teilnehmer möglich machte. Mehr als 13000 waren es aber schon.

In Zeiten wie diesen wird nicht nur die Wahrnehmung realer Ereignisse "verbogen". Erstaunlicher Weise erschließt sich für mich das Gefühl, dass immer mehr Frauen sich als Militär- oder Kriegsspezialisten ins Rampenlicht drängen. Wenn man z.B. Frau Strack-Zimmermann, Frau Göring-Eckardt in zahlreichen Talkrunden zuhört, könnte man zu dem Schluss kommen, sie hätten militärische Erfahrung. Ich wage es zu bezweifeln. Meine Erfahrungen aus dem Wehrdienst waren, daß es keine Genugtuung auslöste, wenn man sich bei Kälte, Regen und Matsch mit Marschgepäck auf dem Rücken und Waffe in der Hand im Dreck suhlen musste. Und das waren nur Übungen. Aber ich würde alle eifrigen Befürworterinnen für Waffenlieferungen gern bei einer solchen Übung sehen.

Die Demonstration zeigte zweifellos, daß es viele Menschen gibt, die vom gegenwärtigen Kurs der Unterstützung durch immer mehr Waffenlieferungen nicht vollends überzeugt sind. Es ist auch eine interessante Behauptung, die Ukraine müsse selbst entscheiden, in welchem Maße sie ihren Krieg führt. Na sicher kann sie dass - aber nur, weil sie sich sicher ist, ständig mit Waffennachschub versorgt zu werden. Bisher fehlt mir jedes konkrete Ziel, womit wir zur Beendigung dieses Krieges beitragen werden. Wenn man die Beiträge in den öffentlichen Diskussionen vergleicht, wird die Meinungsspaltung immer mehr vorangetrieben - leider ist die Isolation der Kritiker der politisch verordneten Vorgehensweise nicht so einfach wie bei einer Pandemie.

Die Demonstration, die sich über ca. gut zwei Stunden erstreckte, verlief m.E. ohne Auseinandersetzungen. Der Polizeischutz war jedoch, sicher in der Erwartung von Auseinandersetzungen, sehr gut aufgestellt. Ich nehme aber an, daß die Diensthabenden froh waren, nicht eine Maidemonstration vorzufinden, auf denen die extreme Rechte oder Linke den Ablauf bestimmt. Aber das kommt ja wahrscheinlich auch in diesem Jahr wieder. Jedenfalls war in der sonst so agilen Boulevardpresse trotz der großen Demonstration am folgenden Tag wenig zu finden - oder sagen wir mal so: Friedlich und nichts Schlimmes passiert reicht nicht für eine Seite.

Ich könnte noch Seitenweise zu dieser Thematik schreiben - getreu dem Motto:"Es ist Alles gesagt, nur noch nicht von jedem!". Leider ist es ja auch hier nicht gestattet, Bilder mit erkennbaren Gesichtern zu veröffentlichen. Somit bleibt die Hauptanzahl meiner Aufnahmen verborgen. Jedem, der jedoch an einer intensiven Auseinandersetzung Interesse hat möge mich kontaktieren. Es ist aber auch in eigener Verantwortung möglich sich aus den zugänglichen Quellen (z.B. Mediatheken, YouTube etc.) Informationen zu holen. Bitte daran denken: Das Internet vergisst nichts - leider auch nicht die Lüge.

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